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Shareware-FAQ: Rechte & Pflichten I

Die folgenden Informationen sollen Anfängern einen Überblick über die nötigen Schritte und Überlegungen geben, die zu einer "Karriere" als Shareware-Autor zu tun sind. Ich bitte dabei zu beachten, daß ich kein Jurist bin und diese Angaben unverbindlich und ohne Gewähr auf Korrektheit angeboten werden.

Voraussetzungen

Zunächst benötigt Ihr natürlich ein von Euch entwickeltes Programm (gängige Programmiersprachen sind z.B. C/C++, Pascal oder auch Basic; als Programmierumgebungen sind derzeit die bekanntesten wohl Delphi (Pascal), C++ Builder oder Microsoft Visual Basic bzw. Visual C++ ). Um nun mit diesem Programm etwas Geld verdienen zu können, sollte das Programm schon etwas mehr können als nur "Hallo Welt" auszugeben und zudem auch noch einen gewissen Nutzen für den Anwender haben.

Als nächstes benötigt Ihr noch eine Idee, wie der Unterschied zwischen Vollversion und Shareware-Version aussehen soll. Im allgemeinen gibt es da zwei Möglichkeiten:

  • Ihr gebt eine eingeschränkte Shareware-Version heraus und verseht diese mit einem Registriercode-System. Bei Bestellung erhält der Anwender von Euch einen Code, mit dem er seine Shareware-Version zur Vollversion machen kann. Der Vorteil ist hier im Prinzip jener, daß Ihr nicht zwei Versionen verwalten müßt (und die Kunden können im Falle eines Updates einfach die aktuelle Shareware-Version verwenden).
  • Ihr gebt eine eingeschränkte Shareware-Version heraus. Bei Bestellung erhält der Anwender einen Datenträger mit der vollständigen Vollversion. Der Vorteil hierbei ist natürlich, daß Ihr Euch zum einen keine Gedanken über das Registriercode-System machen müßt und zum anderen auch nicht die Gefahr besteht, daß das System geknackt wird.

Die Einschränkungen sind auch wieder eine Sache für sich. Klassische Einschränkungen sind z.B.:

  • ein Count-Down/"Nag-Screen" am Programmanfang oder Ende, der den Benutzer bei jeder Nutzung darauf hinweist, daß es sich um Shareware handelt und daß er die Vollversion irgendwann kaufen muß, wenn er das Programm weiternutzen will.
  • eine mehr oder weniger umfangreiche Funktionseinschränkung, was allerdings nicht immer gerne gesehen wird, da bei zu starker Einschränkung die Testmöglichkeit verloren geht. Ein in meinen Augen guter Kompromiß ist die Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl von Einträgen (Datenbank-Einträge, Benutzer, etc.).
  • bei Programmen, die mit dem Drucker arbeiten, Hinweise auf Ausdrucken

Wie weit Ihr einschränkt und auf welche Art ist letztlich Euch überlassen - denkt aber daran, daß eine hohe Einschränkung zwar möglicherweise einige Kunden zur schnelleren Registrierung treiben kann, andere Kunden aber völlig abschreckt. Schließlich ist die Shareware-Version ja auch und gerade eine Test-Version, mit der der Anwender überprüfen kann, ob das Programm etwas taugt. Gar keine Einschränkung ist allerdings auch nicht die beste Lösung - viele Anwender kennen sich nicht so gut mit Shareware aus und vermuten dann eine kostenlose Software (der Anwender muß schon wissen, daß er ein Angebot nutzt, daß er irgendwann im Falle der Weiterbenutzung bezahlen muß).

Wie werde ich Shareware-Autor?

Naja, dazu ist jetzt eigentlich nicht mehr viel erforderlich. Es ist keine besondere Ausbildung oder ein Berufsabschluss nötig - ein fertiges Programm (s.o.) reicht da schon. Und die Bereitschaft, etwas Zeit für die Bearbeitung von Bestellungen und für Support aufzuwenden. Die folgenden Voraussetzungen solltet Ihr allerdings schon erfüllen:

  • Es besteht mindestens ein fertiges Programm, welches mit dem Shareware-System vertrieben werden soll
  • Ihr seid berechtigt, dieses Programm auch zu vertreiben (siehe auch: Rechte & Pflichten II)
  • Ihr habt eine Gewerbeanmeldung ("Gewerbeschein"; s.u.)
  • Ihr habt etwas Zeit übrig (je nach Erfolg auch etwas mehr!)
  • Ihr habt eine Vorstellung, was das Programm kosten soll (siehe auch: Preisgestaltung)

Gewerbeanmeldung

Wer Waren zum Zweck der Gewinnerzielung verkaufen will, muß dazu ein Gewerbe anmelden. Und ersteres wollt Ihr ja wohl, denn sonst würdet Ihr die Software besser als Freeware oder Public Domain herausgeben. Eine Gewerbeanmeldung benötigt nach meiner Ansicht jeder Shareware-Autor, selbst dann, wenn er nur drei oder vier Exemplare verkauft. Eine Ausnahme könnte vielleicht der Verkauf zum Selbstkostenpreis sein (also Porto, Diskette und Verpackung). Aber solche Sonderfälle wird es wohl kaum geben und sind sicher ebenfalls in der Freeware (u.a. auch rechtlich gesehen) besser aufgehoben.

Die Gewerbeanmeldung gibt's im Wirtschafts- und Ordnungsamt in Eurer Stadt. Die Kosten liegen so etwa bei 18 EUR (in Hamburg, Stand: 1998). Minderjährige sollten Ihre Eltern mitnehmen (letztere sollten mit den Plänen ihrer Sprößlinge dann auch noch einverstanden sein :-)) und sich vorher schlau machen, welche Besonderheiten in solchen Situationen zu beachten sind. Als Gewerbebereich wurde mir damals "Einzelhandel mit Hard- und Software" genannt - näheres dazu sagt Euch aber sicherlich auch gerne der zuständige Mitarbeiter vor Ort.

Steuererklärung & Mehrwertsteuer

Ein etwas nerviger Teil an der Gewerbeanmeldung ist, daß Ihr nun jährlich eine Einkommensteuererklärung machen dürft (zumindest für jene, die die Programmierung neben der Schule oder dem Studium betreiben und die bisher keine Steuererklärung abzugeben brauchten). Das Finanzamt meldet sich recht schnell mit einem Fragebogen zu Eurem Unternehmen bei Euch.

Dort könnt Ihr Euch auch entscheiden, ob Ihr Umsatzsteuer (=Mehrwertsteuer) berechnen wollt oder ob Ihr darauf verzichtet:

  • mit Mehrwertsteuer
    Vorteile:
    • Gegenrechnung der Mehrwertsteuer, die der Autor selbst zahlen muß (z.B. bei Wareneinkäufen)
    • In dem Fall, daß Ihr mehr gekauft als verkauft habt und damit negative Mehrwertsteuer abführen müßtet, "erstattet" Euch das Finanzamt die Differenz. Positive Denker verzeichnen das innerlich als Gewinn...

    Nachteile:
    • Im Gewinnfall (angestrebter Zustand) zahlt Ihr an das Finanzamt die Differenz zwischen eingenommenen MwSt und ausgegebenen MwSt - und je höher der Gewinn, desto höher ist normalerweise auch diese Differenz.
    • Mehrwertsteuer wird zumindest in der Anfangszeit jährlich abgerechnet (mit der Einkommensteuererklärung). Denkt also daran, entsprechend Rücklagen zu bilden!
    Empfehlung: Sinnvoll, wenn Ihr entweder sowieso einen hohen Umsatz anpeilt oder wenn Ihr hohe Ausgaben erwartet.
    Hinweis: die Mehrwertsteuer muß auf den Rechnungen ausgewiesen werden.

  • ohne Mehrwertsteuer
    Vorteile:
    • Keine Abgabe von jeweils 16% von jeder Bestellung an den Staat
    • Keine Rücklagen für Zahlungen an das Finanzamt nötig

    Nachteile:
    • Nur bis zu einer gewissen Umsatzgrenze zulässig (soweit ich weiß 32.500 DM - in Euro entsprechend)
    • Probleme, wenn Ihr an Firmen oder Verlage verkauft, welche Mehrwertsteuer einrechnen wollen/müssen.

    Empfehlung: Sinnvoll, wenn Ihr mittelfristig keinen hohen Umsatz erwartet.

Danach dürft Ihr dann jährlich eine Steuererklärung ausfüllen - aber keine Angst, bei kleineren Unternehmen reicht meistens eine Einnahme-Überschußrechnung (Gewinn=Betriebseinnahmen - Betriebsausgaben). Hört sich übrigens schlimmer an, als es ist.

Kosten

An Kosten entstehen Euch neben den einmaligen Kosten für die Gewerbeanmeldung zunächst einmal keine. Die Kosten entstehen erst, wenn Ihr das Programm (a) bewerbt und (b) verkauft.

(a)
Um das Programm zu verbreiten, ist es sinnvoll, es zu "bewerben". Je nach Aufwand kann dies von Referenzexemplaren der Software für ausgewählte Verlage und Zeitschriften ("Pressemuster") über Bannerwerbung bis zu Anzeigen in Zeitschriften gehen. Erstgenanntes kostet nur wenige Euro für Porto und Datenträger, die letztgenannten können in die Tausende gehen.

(b)
Ihr benötigt zur Bearbeitung von Bestellungen zumindest Papier, ein Programm zum Erstellen der Rechnungen (für den Anfang reicht sicherlich eine Textverarbeitung), einen Drucker und natürlich Porto sowie Versandmaterial. Darüber hinaus ist natürlich ein großer Spielraum - vom einfachen Datenträger bis zum perfekt verpackten Programmpaket ist alles möglich.

Außerdem entstehen ggf. Kosten für Web-Angebote und Telefon-Support (bei Rückrufen o.š.).

Großhandel

Kommen wir zum angenehmen Teil der Sache - Ihr habt einen Gewerbeschein! In der Regel für EDV-Einzelhandel! Was? Na, Ihr habt jetzt alle Rechte und Pflichten wie alle anderen EDV-Händler in der Umgebung. Ihr dürft jetzt z.B. bei Metro oder Handelshof (oder ähnliche Läden für Gewerbetreibende in Eurer Nähe) einkaufen. Außerdem könnt Ihr in der EDV-Distribution (in der Regel nur interessant, wenn Ihr öfter und viel kauft) und im EDV-Großhandel einkaufen. Natürlich alles nur für den gewerblichen Gebrauch und Verbrauch bzw. für den Weiterverkauf ;-)

Wichtiger Hinweis:
Diese Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und dem, was ich bisher von Kollegen gehört oder in entsprechenden Publikationen gelesen habe. Die Angaben stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Korrektheit oder Rechtsverbindlichkeit. Irrtümer und Änderungen sind vorbehalten.

Letzte Änderung am: 02.10.2003

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