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Shareware-FAQ: Verträge

Sobald Ihr ein einigermaßen gutes Programm geschrieben habt, wird sich früher oder später womöglich irgendeine Firma oder ein Verlag bei Euch melden, um an Eurem Erfolg teilzuhaben. Ob Ihr das wirklich machen solltet, ist letztlich ein Problem, was Ihr je nach Situation und Auftreten des Anfragers lösen müßt. Die folgenden Tipps sollen aber dabei helfen, die gröbsten Lücken und Fehler zu vermeiden.

Ein Betrag oder Beteiligung am Gewinn?

Bisher habe ich es eigentlich nur so erlebt, daß die Firmen Einmalzahlungen angeboten haben. Besonders bei einmaligen Sachen (z.B. für die Cover-CD einer bestimmten Heft-Ausgabe) ist dies normal.

Dann, wenn auf längere Zeit mit Eurem Programm Gewinne erzielt werden - insbesondere bei exklusiven Verträgen - empfiehlt sich (eventuell auch zusätzlich) eine Gewinnbeteiligung. Aber: gerade bei Programmen aus dem Segment bis 25 EUR solltet Ihr keine Illusionen haben - diese Firmen verkaufen "ihre" Produkte in der Regel über den Fachhandel. Dabei werden mindestens 50% Großhandelsrabatt fällig, wodurch z.B. ein Produkt für 15 EUR letztlich nur 7,50 EUR einspielt und wovon man dann wiederum noch Produktionsaufwand, Support etc. abziehen muß. Der Rein-Gewinn beläuft sich dann nur noch auf einige wenige Euro oder gar Cent. Und erst davon wird normalerweise Eure Beteiligung berechnet. Überlegt Euch den gewünschten Prozentsatz also gut und besprecht die genauen Modalitäten mit dem Vertragspartner (und haltet diese schriftlich fest).

Beträge

Die zentrale Rolle bei den Verhandlungen spielt oft zunächst einmal das Geld. Oft spielen dabei die Firmen Euch den schwarzen Peter der Betragsangabe zu. Und dann versucht einmal, einen adäquaten Preis zu finden, der sowohl Euch als auch der Firma gefällt - und das immer in der Gefahr, daß Ihr viel zu hoch oder viel zu niedrig anbietet.

Für einen "normalen" Vertrag, also eine einmalige Lizenz ohne Unterlizenzen, Auflage ca. 5000 Stück, ohne besondere Verplichtungen kann man nach dem, was ich so gehört habe, mit nicht sehr viel rechnen. 250 bis 500 EUR sind da, wenn überhaupt, die Regel.

Lizenzen für Heft-CDs werden auch immer mehr nachgefragt. Oft sollt Ihr Eure Software kostenlos bereitstellen. Sinn macht letzteres aber nur, wenn es sich um eine ältere Version handelt und Ihr auf Update-Einnahmen dadurch hofft - sonst lasst die Finger davon. Ist Euer Programm wirklich gut und werdet Ihr selbst vom Verlag angesprochen, lohnt es sich zu verhandeln. So mancher, der es zuerst kostenlos haben wollte, hat hinterher 250 bis 1000 EUR gezahlt.

Teuer sollte es meines Erachtens werden bei den Themen "exklusiver Vertrag", "hohe Auflagenzahl" oder "Unterlizenzierung" bzw. "Mehrfacheinsatz".

Überlegen solltet Ihr Euch aber, daß der plötzliche "Geldregen" rein rechnerisch meist nicht mal 100 verkauften Lizenzen verspricht, dafür aber deutlich mehr Leute mit Eurer Software versieht. Deutlich kann das, abgesehen vielleicht von dem ideellen Ärgernis, hauptsächlich im Support-Aufwand für Euch zu Buche schlagen. Ist Eure Software also wirklich so gut, werdet Ihr vermutlich schnell eine entsprechende Anzahl von Kunden auch so bekommen.

Empfehlungen

Im folgenden findet Ihr ein paar Empfehlungen zu einzelnen Gesichtspunkten. Aber beachtet - in der Regel sind Eure Geschäftspartner nicht gewillt, ihre (oft selbst erstellten) Verträge an Eure Vorstellungen anzupassen. Solltet Ihr also tatsächlich eine für Euch vorteilhafte Regelung wünschen (z.B. eine Haftungsregelung, wie sie schon in den meisten AGB zu finden ist), müßt Ihr hierauf oft verzichten - teilweise mit fadenscheinigen Begründungen (Prüfung der Änderungen dauere zu lange, Prüfung durch einen Anwalt sei dann nötig und die wiederum zu teuer). Entscheidet dann selbst, ob Ihr das Risiko eingehen wollt, mit dieser Firma zusammenzuarbeiten.

<Anekdote>
Ich habe z.B vor einiger Zeit einen Verkauf an eine Firma vorbereitet. Es ging damals um relativ viel Geld und ich wollte es absolut sicher machen. Ich hatte mit meinem Geschäftspartner abgesprochen, daß dieser mir den Vertragsentwurf zusenden würde und ich diesen selbst prüfen und danach durch einen Anwalt prüfen lassen würde.

Ich selbst hatte wenig am Vertrag auszusetzen, dennoch habe ich einen Anwalt konsultiert. Neben einer Rechnung über rund 2000 DM erhielt ich fünf Seiten mit Verbesserungsvorschlägen. Viele davon waren wirklich sinnvolle Ergänzungen - Regelungen zu Haftung, Gewährleistung u.ä. fehlten im Vertrag völlig. Bemängelt wurde außerdem, daß der Vertrag sehr zusammengesucht und unstrukturiert wirkte. Zitat Anwalt: "Am liebsten würde ich den kompletten Vertrag neu aufsetzen.". Aber das wäre dann zu teuer geworden...

Naja, das Ende der Geschichte: die Anmerkungen (von mir auf das wichtigste gekürzt, nur noch 2 Seiten) waren dem Geschäftspartner zu aufwendig umzusetzen, es hieß plötzlich "Friß oder stirb". Bzw. unterschreib oder lass es sein. Wie ich mich entschieden habe? Nun ja, die Entscheidung wurde mir abgenommen - die Firma meldete Konkurs an.

Moral von der Geschichte: wenn Ihr schon so mißtrauisch seid, daß Ihr den Vertrag durch Dritte prüfen lassen möchtet, lasst es lieber ganz - der Vertrag ist mit Sicherheit problematisch und mit ebensolcher Sicherheit wird Euer Geschäftspartner die Änderungen nicht akzeptieren.
</Anekdote>

Kommen wir nun zu den einzelnen Empfehlungen - unsortiert und sicherlich unvollständig (Ergänzungen sind willkommen!):
(im folgenden stehen Vertragspartner/Partner/Lizenznehmer/Geschäftspartner für die Firma, mit der Ihr den Vertrag abschließen wollt)

  • Exklusivlizenz
    Sofern Ihr jemandem die exklusive ("alleinige") Nutzung oder den exklusiven Vertrieb Eurer Software erlaubt, hat dies große Konsequenzen für Euch. Nur diese Person/Firma darf dann über die Software verfügen (oftmals dann nicht mal mehr Ihr selbst)! Überlegt Euch also gut, ob Ihr das wirklich wollt! Und laßt es Euch gut bezahlen! Entweder durch einen angemessen hohen Einmalbetrag oder eine Gewinnbeteiligung.
  • Namensrechte
    In einigen Verträgen (insbesondere solchen, wo Ihr Euer Produkt endgültig verkauft oder wo Ihr es exklusiv lizenziert) kommen gelegentlich Abschnitte vor, in denen Ihr dem Geschäftspartner die Rechte an dem Programmnamen übertragt. Dies kann problematisch sein, wenn Ihr nicht sicher sein könnt, ob der Name tatsächlich Euch "gehört". Wenn also irgendwann eine Firma an Euren Geschäftspartner herantritt und sagt, daß sei ihr Markenname, kann es Euch ggf. an den Kragen gehen. Informationen zu Namensrechten gibt es übrigens auf der Seite Rechte & Pflichten II.
  • Rechte Dritter
    Praktisch jeder Vertrag läßt Euch versichern, daß das Produkt frei von Rechten Dritter sei. Ihr solltet Euch hier wirklich sicher sein, ob dem tatsächlich so ist. Was "Rechte Dritter" sind, findet Ihr ebenfalls auf der Seite Rechte & Pflichten II. Außerdem ist diese Klausel eigentlich überfüssig - Ihr haftet in dem Fall, daß Dritte Rechte an der Software besitzen, sowieso Kraft Gesetzes.
  • Unterlizenzierung
    Manche Verträge enthalten die Erlaubnis zur Unterlizenzierung. Achtung! Dies bedeutet nichts anderes, als das der Geschäftspartner - wie Ihr - weitere Lizenzen in beliebigem Umfang verteilen kann! Im schlimmsten Fall findet Ihr Euer Programm demnächst auf jeder zweiten Heft-CD. Hier ist unbedingt Vorsicht geraten. Sorgt dafür, daß Ihr ausreichend entschädigt bzw. beteiligt werdet.
  • Änderungen am Programm
    Gelegentlich möchten die Geschäftspartner eigene Merkmale in Eurer Software verewigt sehen. Dies kann vom simplen Logo über eine eigene Support-Adresse bis hin zum abweichenden Programmnamen gehen. Normalerweise kann man da nichts gegen sagen, der Aufwand sollte halt ausreichend durch den Betrag abgedeckt sein. Bei einem Programm, welches komplett umbenannt und mit neuen Adressen etc. versehen wurde, wäre ich vorsichtig. Ich persönlich finde es immer ärgerlich, wenn sich andere auf diese Art ein "neues" Programm erstellen und dann womöglich einem selbst Konkurrenz machen. Änderungen am Programm sollten ggf. explizit festgehalten werden, damit Ihr und der Lizenznehmer genau wißt, was zu tun ist und was nicht (!).
  • Gewährleistung, Haftung
    Ich habe selten einen Vertrag gesehen, der Regelungen zur Gewährleistung oder zur Haftung enthielt. Und wenn, dann zu meinen Lasten. Hier sei eines gesagt - fehlen diese Angaben, gelten die gesetzlichen Regelungen. Und die sind eindeutig zu Eurem Nachteil (nicht umsonst heißt es in AGBs oft "Haftungsbeschränkung") . Folgende Stichworte sollten behandelt werden:
    • Definition Mangel
    • Gewährleistungsausschluß bei unerheblichen Mängeln (z.B. Rechtschreibfehler etc.)
    • Umgehende und schriftliche Meldung des Mangels durch den Lizenznehmer
    • ggf. Gewährleistungsausschluß bei nicht erlaubten Änderungen an der Software durch den Lizenznehmer
    • Beschränkung auf bestimmte Betriebssysteme (wichtig!)
    • Anrechnung der gezogenen Nutzung bei Rückabwicklung des Vertrages (falls also der Lizenznehmer/Geschäftspartner aus irgendeinem Grund vom Vertrag zurücktritt/-treten kann)
    • Keine Haftung für Mangelfolgeschäden, insbesondere auch nicht für den Verlust von Daten.
    • Vorbehalt von drei Nachbesserungsversuchen
    • Vergütung des Aufwandes bei nicht durch Euch zu verantwortenden Mängeln
    • Keine Haftung bei leichter Fahrlässigkeit
    • Mitverschulden des Kunden ist anzurechnen.
    Schäden, die durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit entstanden sind, sind meines Wissens nicht begrenzbar - aber so dumm wird wohl keiner von Euch sein, vorsätzlich den Computer Eures Anwenders zu zerstören, oder?
  • Copyright
    Einige Verträge versuchen, daß Urheberrecht auf den Lizenznehmer zu übertragen. Das Urheberrecht ist gem. §29 S.2 UrhG jedoch nicht übertragbar! Damit ist die Klausel ungültig; sollte Euch aber vermutlich dann auch nicht stören.
  • Support
    Manche Verträge bestimmen explizit, daß Ihr Support zu leisten habt. Ich meine, daß dies eigentlich selbstverständlich ist. Normalerweise steht Ihr ja sowieso als Kontaktperson in der Software. Festzulegen wäre aber eventuell, in welchem Umfang und wem gegenüber Support zu leisten ist (z.B. der Hotline oder dem Endkunden).
  • Vertragsstrafe
    Ich habe es erst einmal erlebt, daß eine Vertragsstrafe vereinbart wurde (und dann gleich in recht heftigem Umfang). Dies kann seine Berechtigung haben, wenn die korrekte Abwicklung für den Lizenznehmer existenzielle Wichtigkeit hat. Dennoch wäre ich hier vorsichtig! Insbesondere vier- bis fünfstellige Vertragsstrafen würde ich nicht akzeptieren. Denn: wenn Ihr an eine fadenscheinige Firma geraten seid und diese Firma Geld braucht, findet sie auch bei Eurer Software oder auch bei der Vertragsabwicklung Mängel, die den Rücktritt vom Vertrag erlauben und die Vertragsstrafe fällig machen. Neben der Rückzahlung dürft Ihr dann nochmal kräftig zuzahlen.
  • Rücktrittsrecht
    In der Regel behält sich Euer Geschäftspartner den Rücktritt vor, falls Ihr eine der Leistungen, die im Vertrag festgelegt werden, nicht einhaltet. Ihr selbst habt normalerweise dieses Recht nur, wenn der Partner das Geld nicht bezahlt. Er kann hingegen bei jedem Verstoß gegen die recht ausführlichen Regelungen durch Euch zurücktreten. In solchen Fällen ist der oben unter "Gewährleistung, Haftung" genannte Punkt "Anrechnung der gezogenen Nutzung bei Rückabwicklung des Vertrages" sehr praktisch. Es werden dann Aufwand und Einnahmen des Lizenznehmers durch Eure Software gegenübergestellt und dann die von Euch zurückzuzahlende Summe berechnet.
  • Liefertermin
    Zur allgemeinen Klarheit sollte ein (unverbindlicher) Liefertermin für die Software festgelegt werden. Ansonsten könnte der Lizenznehmer die Auslieferung sofort verlangen.
  • Zahlungsart/-termin
    Auch die Zahlungsmodalitäten sollten ausreichend dokumentiert werden. Die Zahlung sollte zeitlich an den Zeitpunkt der Übergabe gekettet werden (z.B. eine Woche später). Nicht empfehlenswert ist die Verbindung mit der "Abnahme durch den Lizenznehmer" - denn ob und wann er die Software abgenommen (=geprüft und für gut befunden) hat, weiß man im voraus nie. Außerdem sollte eine Regelung für den Fall des Zahlungsverzuges nicht fehlen (z.B. Verzinsung ab Fälligkeitsdatum mit 4% über dem jeweiligen Basiszinssatz der Europäischen Zentralbank).
  • Änderungen am Quellcode oder an der Programmzusammensetzung
    Für den Fall, daß Änderungen an der Software vorgenommen werden (insbesondere dann möglich, wenn der Quellcode mitverkauft wird), sollte es Regelungen für den Fall geben, daß Änderungen durch den Lizenznehmer vorgenommen werden. Besonders wichtig scheint mir hier der Fall, daß durch diese Änderungen ein Fehler bzw. ein Mangel auftritt. Hierfür sollte man dann die Gewährleistung/Haftung ausschließen.
  • Zusätzliche Leistungen
    Zusätzliche Leistungen sollten dokumentiert sein. Zusatzkosten hierfür sollten dabei festgehalten werden.
  • Bedienungsanleitung
    Eine Bedienungsanleitung gehört, auch wenn nichts gesagt wird, normalerweise zum Vertragsumfang. Falls Ihr solche nicht liefern wollt oder könnt oder diese nur elektronisch beiliegt, haltet dies schriftlich fest.

Es sei hier nochmal ausdrücklich gesagt: Die oben genannten Empfehlungen sind keinesfalls vollständig und sind auch sicherlich nicht auf jeden Fall anwendbar. Außerdem werden sie in dem Umfang von kaum einem Vertragspartner angenommen werden - aber zumindest die für einen selbst wichtigen Regelungen kann man sich ja herauspicken.

Ein Satz noch zu Verträgen mit Zeitschriften: Hier gab es eigentlich bisher wenig Regelungen. Die letzte Lizenz für eine Heft-CD sah eher wie eine Erlaubnis aus - und da hier ja auch wenig mehr passiert, sehe ich zumindest diese Art von Verträgen nicht so eng (obwohl dies vielleicht auch falsch sein mag).

Wichtiger Hinweis:
Diese Informationen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und dem, was ich bisher von Kollegen gehört oder in entsprechenden Publikationen gelesen habe. Die Angaben stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Korrektheit oder Rechtsverbindlichkeit. Irrtümer und Änderungen sind vorbehalten.

Letzte Änderung am: 02.10.2003

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